wohl selten stand der Zustand des Steinhuder Meeres so wie in diesem
Jahr im Blickpunkt des Interesses. Waren schon die Verschlammung und das
schleppende Vorgehen dagegen in den vergangenen Jahren immer wieder Anlass
für Verärgerung, so scheint die Besorgnis mit dem rasch wachsenden
Kraut im Meer doch eine neue Qualität gewonnen zu haben. Einen „Aufstand
der Segler“ fordern manche, andere reden von notwendigen „Sofortprogrammen“,
um das Steinhuder Meer zu retten und negative, auch wirtschaftlich negative
Folgen abzuwenden. Hoffentlich gibt es bis zum Frühjahr Fortschritte
zu berichten.
Diese Ausgabe des SCStM-Verklickers zeigt, dass viele Clubmitglieder
- nicht nur wegen des Krautes - im Sommer wieder eifrig auf anderen Revieren
unterwegs waren. Sie zeigt aber auch, dass - trotz des Krautes - auch die
Aktivitäten in Steinhude nicht gelitten haben. Bei aller Sorge um
unseren See - kaputtreden dürfen wir ihn auch nicht.
Eine kurzweilige Lektüre wünscht
Der Herausgeber
Nach den Pokalen kam der Regen
Detlef Munke wieder Clubmeister / Sommerfest in die Messe verdrängt
Detlef Munke ist erneut Clubmeister des SCStM geworden. Bei der Regatta
am 3. August kam er mit seiner O-Jolle auf einem Dreieck vor der Badeinsel
knapp vor Jürgen Zerfass ins Ziel und lag auch nach Auswertung des
auszufüllenden Fragebogens vorne. Auch auf den zwei weiteren Plätzen
folgten O-Jollen. Eine bessere Platzierung vergab Dieter Nordmeyer, der
mit seinem Laser kenterte. Immerhin kam er so auf den Platz, der mit dem
Mittelpokal belohnt wurde. Bei den Dickschiffen segelten Ina und Dieter
Sokoll auf einen beachtlichen sechsten Platz, Sven Sokoll und Lars Krull
gewannen den Piratenpreis. Alexander Kirchmann stellte die Sporttauglichkeit
seines Auswanderers unter Beweis, mit Jan Bliemel und einigen Kindern an
Bord kam er auf Platz 13 - allerdings mit geschätzter Yardstickzahl.
Bis zur Siegerehrung sah alles nach einem schönen Sommerfest unter
freiem Himmel aus, doch leider kam gleich danach ein heftiger Schauer,
dem im Verlauf des Abends noch weitere folgen sollten. Das tat der Stimmung
aber wenig Abbruch, es wurde heftig gefeiert - wenn auch mit geringerem
Cocktailverbrauch als in den Vorjahren.
sok
Das Ergebnis:
1. Detlef Munke, O-Jolle (Clubmeister)
2. Jürgen Zerfass, O-Jolle
3. Alfred Zerfass, O-Jolle
4. Dieter Pahl, O-Jolle
5. Hans Wetzig, Laser
6. Dieter und Ina Sokoll, M 22 (bestes Dickschiff)
7. Tina und Niels Schöber, Laser
8. Sven Sokoll und Lars Krull, Pirat (Piratenpokal)
9. Dr. Dieter Nordmeyer, Laser (Mittelpokal)
10. Hans-Dieter Tross, O-Jolle
11. Bernd und Dagmar Lücke, Pirat
12. Henning Langrehr und Jane Opitz, Pirat
13. Alexander Kirchmann, Jan Bliemel u.a., Auswanderer
14. Wolfgang Probst und Joachim Schultz, Korsar
15. Reinhard und Sylvia Müller, R-Boot
16. Andrea Brokate und Ulrike Hübner, Happy Sailing
17. Günter Heyer, O-Jolle
18. Gerhard, Margit und Hannes Spitta, Neptun 22
STEINHUDER MEER / Das Kraut wächst weiter
Krisenstimmung am Meer
Sie wächst und wächst und wächst: Die Wasserpest hat
im Lauf der Saison den Spielraum für die Nutzer des Steinhuder Meeres
weiter eingeschränkt. Für einige Wochen war zwar bereits ein
Mähboot im Einsatz, das vor allem Schneisen für die Berufssegler
freihielt. Allenthalben ist aber die Skepsis groß, ob mit solchen
punktuellen Aktionen dem Problem wirklich wirksam begegnet werden kann.
Vor allem in Mardorf ist der Unmut angewachsen. Die Seite des Meeres,
die bisher schon stark vom Schlamm beeinträchtigt wurde, ist nun auch
in großen Teilen durch einen Krautgürtel von der Mitte des Sees
abgeschlossen. An den Stegen klafften zum Ende der Saison große Lücken,
Vereine und Stegbetreiber, aber auch die Tourismuswirtschaft erleben durch
ausbleibende Wassersportler und Touristen schwere wirtschaftliche Einbußen.
Innerhalb von fünf Jahren soll die Zahl der Boote um 1000 auf 2500
abgenommen haben.
Die Wettfahrtvereinigung bemüht sich derweil, den Ruf des Steinhuder
Meeres als Regattarevier nicht vollends zu ruininieren. Tatsächlich
konnte das diesjährige Wettfahrtprogramm größtenteils durchgeführt
werden, auch wenn die Meldezahlen merklich zurückgingen. Das Meer
ist eben letztlich groß genug - noch.
Dennoch gibt es derzeit keine Alternativen zum Mähen. Für
das kommende Jahr kündigte die Bezirksregierung weitere Einsätze
des Mähbootes an. Unterdessen gibt es offenbar auch bei den beteiligten
Kommunen Überlegungen, ein Mähboot anzuschaffen, das ganzjährig
auf dem Steinhuder Meer zum Einsatz kommen kann. Damit müsste nicht
mehr das Mähboot des Niedersächsischen Landesbetriebs für
Wasserwirtschaft und Küstenschutz (NLWK) hierher transportiert werden.
Man könnte auch warten, bis das Kraut wieder von alleine verschwindet.
Das erwarten die Experten, die Frage ist nur wann. Die massive Bedrohung
des Meeres vor allem in seiner Funktion als Wirtschafts- und Tourismusfaktor
lässt aber Rufe nach schnellen und umfangreichen Maßnahmen laut
werden.
So fordert Siegfried Siebens, Geschäftsführer des Naturparks,
ein Sofortprogramm von der Landesregierung. Zu dem Programm müssen
seiner Auffassung nach umfangreichere Mahd und eine Entschlammung von bis
zu 300 000 Kubikmetern jährlich gehören. Für den Schlamm
empfiehlt er den westlichen Teil des Mardorfer Feldes als Lagerstätte
Ein reger Politiktourimsus auch mit Mitgliedern der Landesregierung lässt
Hoffnung, dass das Problem bei den Entscheidern zumindest wahrgenommen
wird.
Weiter gehen soll die Entschlammung des Meeres. Der Schlamm im Polder
bei Großenheidorn ist mitterweile gut zusammengetrocknet. Jetzt ist
Platz für weitere 30 000 bis 40 000 Kubikmeter. Die Bezirksregierung
will diesmal am Nordufer Schlamm absaugen, beginnend vor Mardorf und dann
Richtung Osten. Dafür ist eine längere Schlauchleitung mit Zwischenpumpstationen
erforderlich. Sie soll hauptsächlich unter Wasser verlaufen und mit
Bojen markiert werden. Die Behörde will im Februar mit den Arbeiten
anfangen. Die Theorie: Nach den Stürmen im Herbst und Winter wird
sich der Schlamm an einigen Stellen gesammelt haben und kann dann einfacher
beseitigt werden. sok
RECHT / GMDSS ab 2005 alleiniges Rettungssystem
Neue Bestimmungen für Sprechfunkzeugnisse
Die neue Technik im Sprechfunk macht auch eine Neuordnung der Sprechfunkzeugnisse
für Sportschiffer notwendig. Weil die Berufsschiffahrt auf das weltweit
eingeführte System GMDSS umsteigt, das beispielsweise bei Seenotfällen
automatisch Schiffsdaten übertragen kann, müssen sich die bisherigen
UKW-Funker umstellen. Die Berufsschiffahrt muss nämlich vom Jahr 2005
an nicht mehr den Notrufkanal 16 abhören.
Eigentlich sollte dies schon 1999 passieren, doch zu dem Zeitpunkt
waren erst wenige Sportboote mit GMDSS ausgerüstet. Die Pflicht zur
Hörwache wurde deshalb verlängert. Spätestens 2005 sollten
Sportboote auf See nun mit GMDSS ausgerüstet sein, weil sie mit UKW
danach nicht mehr viel anfangen können.
Ab dem 1. Januar 2003 werden im wesentlichen drei Zeugnisse ausgegeben:
Das UKW-Sprechfunkzeugnis für Binnenschiffahrt, das nicht zur Teilnahme
an GMDSS berechtigt, sowie das Short Range Certificate und das Long Range
Certificate für die Seefahrt, das dem heutigen Allgemeinen Betriebszeugnis
entspricht. Für die Seezeugnisse wird der Deutsche Segler-Verband
eine Prüfungsstelle.
Alte Zeugnisse behalten unfristet ihre Gültigkeit, werden aber
2005 ihre Bedeutung verlieren, wenn sie nicht zur Teilnahme an GMDSS berechtigen.
Da die Prüfungen fortan schwieriger werden, wurde für diesen
Herbst noch ein großer Ansturm auf die Kurse nach den alten Bedingungen
erwartet. sok
Trunkenheit ab 1,1 Promille strafbar
Auf die Meldung „Trocken bleiben“ im Verklicker Nr. 17 schrieb unser
Mitglied Norbert Görth, selber in der Wasser- und Schiffahrtsdirektion
Mitte in Hannover mit Führerscheinfragen befasst:
Meines Wissens gibt es in der Steinhuder-Meer-Verordnung keinen Trunkenheitstatbestand
(laut Auskunft der Sachbearbeiterin in der Regionsverwaltung). Alkohol
am Ruder könne allenfalls als Verletzung des Rücksichtnahmegebots
(§ 11) erschwerend hinzukommen, zum Beispiel bei Behinderungen, Wegerechtsverletzungen,
Bootsunfällen oder anderen Ordnungswidrigkeiten. Die Binnenschifffahrtstraßenordnung
gilt nicht auf dem Steinhuder Meer. Aber: Auf allen öffentlich zugänglichen
Gewässern in Deutschland gilt der § 316 des Strafgesetzbuches
(Trunkenheit im Verkehr). Nach der Rechtsprechung hierzu ist absolut fahruntüchtig,
wer ein Wasserfahrzeug mit 1,1 und mehr Promille im Blut führt. Das
ist dann strafbar und keine Ordnungswidrigkeit mehr und kostet richtig
viel Geld. Außerdem kann das dann, wenn die Trunkenheitsfahrt auf
einer Bundeswasserstraße (Binnen oder See) begangen wurde, ein Fahrverbot
nach sich ziehen oder sogar den Sportbootführerschein kosten.
REGATTA / Viel Wind beim Match-Race
Endstation Viertelfinale
Das Match-Race am 29. Juni bescherte den neun teilnehmenden Mannschaften aus den Vereinen der Wettfahrtvereinigung und den wenigen Zuschauern auf dem Gelände des SLSV reichlich Wind. So wurde ohne Spinnaker und mit gerefftem Groß auf Booten der Klasse Sportina 600 gesegelt. Für den SCStM stießen Detlef Munke, Wilhelm Nordmeier und Sven Sokoll in der ersten Runde auf den HYC - im wahrsten Sinne des Wortes, denn auf der Kreuz kam es zu einer Kollision, die dem HYC eine Strafe einbrachte. Der SCStM konnte das Rennen deshalb gewinnen. Im zweiten Vorlauf unterlag die Mannschaft nach einem schlechten Start den Eisseglern. Im Viertelfinale verlor das Team gegen den späteren Gesamtsieger vom Yachtclub Niedersachsen. sok
Traurige Stimmung herrschte schon in den letzten Wochen auf dem Grundstück
unseres Nachbarvereins Vereinigung Steinhuder Wandersegler (VStW). Der
Flaggenmast hing schon die ganze Saison auf halb acht und signalisierte
schon, dass die Geschichte dieses Vereins wirklich vorbei ist. Da
der Pachtvertrag gekündigt wurde, musste der VStW sich auflösen.
Bereits Ende 2001 war der Verein aus der Wettfahrtvereinigung ausgetreten.
Anfang Oktober kamen die Mitarbeiter eines Abbruchunternehmens, die
das Clubgebäude und die privaten Butzen nach und nach beseitigten.
Zuvor hatten die Mitglieder bei einer Auktion die letzten verwertbaren
Dinge noch unter sich aufgeteilt.
Größere Teile der Mitgliedschaft sind zum SLSV und SVSN
gegangen. Auf dem Grundstück baut der Eigentümer ein Privathaus,
einen kürzeren Steg mit vermieteten Plätzen wird es weiterhin
geben.
sok
Den Muscheln auf der Spur
Erholsame zwei Wochen mit Kore in Zeeland
von Beate Dökel und Sven Sokoll
Der Frust stand unseren Vorgängern in die Gesichter geschrieben,
die unter der dicht zugezogenen Kapuze hervorlugten. Als wir am 12. Juli,
einem Freitag, im strömenden Regen auf den Parkplatz der Marina Herkingen
fuhren, hatten Ina und Dieter Sokoll drei Wochen mit ihrer Kore in Zeeland
hinter sich, in denen das Wetter ihnen so manchen Strich durch die Rechnung
gemacht hatte. Einmal schrieb Ina gar ins Logbuch „Es ist wie November“
und sprach von „gefühlten 10 Grad“.
Um es vorweg zu sagen: Uns zeigte sich das Deltagebiet, im Süden
der Niederlande zwischen Rotterdam und Vlissingen gelegen, von einer besseren
Seite. Es liegt bestimmt nicht an Svens Eltern, doch eine Stunde, nachdem
sie uns am Sonnabend ver- und das Boot überlassen hatten, hörte
der Regen auf und sollte sich im Laufe unserer gut zwei Wochen fortan sehr
zurückhalten.
Unser erster Tagestörn führte uns am Sonntag an den Brouwersdam.
Dazu mussten wir bei bis zu fünf Beaufort auf dem Grevelingenmeer
aufkreuzen und merkten gleich zwei Dinge: Vom Wellengang her ist es schon
ein anspruchsvolleres Binnenrevier, doch die Kore läuft schnell und
kommt gut mit solchen Bedingungen zurecht. Der Brouwersdam grenzt den See
von der Nordsee ab. Wir machten in der großen Ferienanlage Port Zélande
fest und ließen am Nordseestrand unsere Drachen steigen.
Nach unserer Mittagspause im Stadthafen von Brouwershaven, direkt am
Markt, notierten wir am folgenden Tag um 14 Uhr im Logbuch, dass sich die
Sonne erstmals blicken lässt und uns für den Rest des Tages nicht
mehr verlässt. In Bruinisse, unserer abendlichen Station, probierten
wir erstmals die Spezialität der Region: Muscheln.
Am nächsten Morgen stand, mit Spannung erwartet, das erste Schleusenmanöver
an. Es stand unter dem Schatten des neuen Außenbordmotors, den Ina
und Dieter sich wegen eines Schadens hatten zulegen müssen. Er reagiert
bei Gangwechseln zickig, wenn man das nötige Gefühl dafür
noch nicht hat, und schlug beim Rückwärtsfahren hoch. Das ließ
sich später allerdings abstellen, die Halterung war nicht fest genug
angeschraubt.
Jedenfalls ist es ein blödes Gefühl, wenn man einerseits
möglichst schnell in die Schleuse hineinkommen will, andererseits
aber nicht sicher ist, wie der Motor reagiert. In Bruinisse touchierten
wir glatt ein vorweg fahrendes Motorboot, allerdings ohne Schaden. Je länger
der Törn dauerte, desto besser klappte es natürlich. Die Erfahrung
lehrte auch, dass in eine Schleuse meist viel mehr Boote passen, als man
denkt, und man sich deswegen ruhig Zeit lassen kann. Wir haben es nicht
erlebt, dass einmal ein wartendes Schiff nicht mit in die Kammer passte.
Die Oosterschelde zeigte sich uns nach dem Schleusengang von einer
traumhaften Seite. Im prallen Sonnenschein rauschten wir bei knapp fünf
Beaufort darüber hinweg zur nächsten Schleuse in das Verse Meer,
wo wir an einem geschützten Anleger die Nacht verbrachten. Am folgenden
Tag stand dann Kanalfahrt an. Der etwa 10 Kilometer lange Kanaal door Walcheren
stellt die Verbindung zur Westerschelde her. An ihm liegen zwei der schönsten
Orte der Region, Veere und die alte Hauptstadt Middelburg, sowie das größere
und modernere Vlissingen. Bei unserer Mittagspause zeigte sich vor allem
Middelburg, im Krieg zerstört und mit viel Liebe wieder aufgebaut,
vor allem mit seinen Klosteranlagen, aber auch am Marktplatz und am Stadthafen
als sehenswerte Stadt. Die Weiterfahrt nach Vlissingen aber, durch einen
eintönigen Kanal, war vor allem wegen der langsamen Brückenbedienung
nervenaufreibend. Für die kurze Strecke mit fünf Brücken
brauchten wir drei Stunden. Der Schleusenwärter bei Veere bedient
die mit vielen Kameras ausgerüsteten Brücken per Fernbedienung.
Wenn man aber alleine oder mit einer kleinen Gruppe davor liegt, hat man
schlechte Karten. Bei der Rückfahrt fuhren wir dann mit einem Pulk
von etwa zehn Booten und brauchten nur die Hälfte der Zeit.
In Vlissingen legten wir einen Hafentag ein. Der Binnenhafen, von einem
Verein betreut, fordert leider einen 20-minütigen Fußmarsch
ins Zentrum, doch dafür ist er schön ruhig. Direkt neben dem
Stadthafen fand nämlich die Kirmes statt, zu deren Höhepunkt,
einem abendlichen Feuerwerk, wir gerade richtig kamen. Den Tag bis dahin
verbrachten wir mit Shoppen, Muschelsuche am Strand und einem Fährausflug
über die Westerschelde nach Breskens.
Bei der Rückfahrt machten wir am anderen Ende des Kanals in Veere
halt Zwischenhalt. Touristenbusse standen hier auf dem großen Parkplatz
dicht an dicht, das Örtchen ist auch wirklich hübsch, aber unruhig.
Für den Abend hatten wir wieder unseren Anleger angepeilt und fanden
tatsächlich wieder ein Plätzchen. Sven wagte hier das erste Bad
in den noch immer kühlen Fluten, abends stand Grillen auf dem Programm
- wieder ein schöner Abend!
Auf der Fahrt nach Zierikzee verließ uns auf der Oosterschelde
der Wind. In solchen Situationen macht sich die Strömung bemerkbar,
das ablaufende Wasser zog uns ordentlich mit. Dennoch verließ uns
die Geduld, wir warfen den Motor an. Am späten Nachmittag brachte
uns beim Einkaufen ein Gewitter den ersten Regen nach einer Woche. Wir
wetterten erst ab, bekamen aber auf dem Heimweg doch noch einmal einen
ordentlichen Schauer ab - gut, dass wir in der Nähe der Duschen lagen...
Von Zierikzee aus fuhren wir am Sonntag mit dem Bus ins Waterland Neeltje
Jans, einer Ausstellung, die vor allem die Geschichte des Delta-Projektes
dokumentiert und an einem Modell zeigt, wie sich die neuen Dämme auswirken.
Leider hatte unser Bus auf dem Hinweg einen Reifenschaden, der uns eine
Stunde kostete, und die Rückfahrt mussten wir auch früh antreten,
so dass wir etwas unter Zeitdruck standen. Auf dem Gelände ist es
auch möglich, das imposante Oosterschelde-Sperrwerk von innen zu besichtigen.
Als wir am Montag aus Zierikzee wegfuhren, hatten wir wieder die üblichen
vier bis fünf Beaufort aus West, die uns trotz gereffter Segel auf
bis zu 6,9 Knoten vorantrieben. Schon nach gut zwei Stunden waren wir in
Yerseke, das in Führern meist als uriges Fischerdorf beschrieben wird.
Zu unseren Favoriten zählt es dennoch nicht. Jedenfalls wollten wir
den schönen Wind nach dem Essen noch zur Weiterfahrt nutzen und segelten
bis ans östliche Ende der Oosterschelde durch die winzige Bergse-Diep-Schleuse
nach Tholen, eine gute Alternative zur Industriestadt Bergen op Zoom.
Allerdings rächte sich in den Folgetagen etwas, dass wir damit
in eine Sackgasse gefahren waren, denn der Weg nach Norden durch die Maas-Rhein-Verbindung
blieb uns wegen geringer Brückenhöhen versperrt, und der Wind
blieb kräftig aus West, so dass uns für die Weiterfahrt nur das
Kreuzen gegenan blieb. Am Dienstag konnten wir zudem wegen der Tide erst
spät losfahren. Auf der Oosterschelde begrüßten uns fünf
Windstärken mit einigen Böen, wir bekamen reichlich Wasser ins
Gesicht und verloren auf der Höhe von Yerseke die Lust, weshalb wir
dort unplanmäßig wieder einliefen.
Am Mittwoch beruhigte sich die Situation etwas, wir konnten zwar wieder
erst spät los und mussten kreuzen, dafür war der Wind schwächer,
und die Sonne schien. Nach halber Strecke konnten wir abfallen und fuhren
Richtung Nordost durch Keeten zur Krammerschleuse, die wir spät um
21 Uhr noch passierten und danach in den kleinen Stadthafen von Oude Tonge
einliefen. Dahin führt ein schmales Fahrwasser und ein sehr idyllischer
Kanal.
Weiterhin mit achterlichem Wind erreichten wir am Donnerstag Willemstad,
einem alten Festungsstädtchen. Wir ergatterten noch einen Platz im
Hafen am Fuße der Windmühle, im engeren Stadthafen liegen dagegen
Sechserpäckchen. Willemstad mit seinen alten Gebäuden und Wallanlagen
ist unbedingt einen Aufenthalt wert.
Dennoch machten wir uns am Freitag besonders früh auf, um über
Mittag in Dordrecht einkaufen zu gehen. Der Weg dahin, zum Teil Kanalfahrt,
war wegen des hohen Aufkommens an Berufsschifffahrt sehr unruhig. Leider
erwischten wir die letzte Brückenöffnung vor der Mittagspause
nicht mehr, so dass wir nicht mehr in eines der Hafenbecken fahren konnten.
Statt dessen machten wir im gegenüber gelegenen Papendrecht fest und
setzten mit einem Wassertaxi nach Dordrecht um. Hier konnten wir unsere
wichtigsten Einkäufe für die Heimat - Schokostreusel, Hagebuttenmarmelade
und Käse - gut erledigen.
Am Abend fuhren wir durch den Kanal Wantij Richtung Biesbosch weiter.
Dieses Naturschutzgebiet ist ein enges Netz aus kleinen Flüsschen
und Seen. Bis dahin mussten wir allerdings noch vier Brü-cken passieren.
Die ersten beiden ließen wir schnell hinter uns, die dritte war jedoch
eine Eisenbahnbrücke, die nur nach Anmeldung über Funk bedient
werden sollte. Zunächst wurde uns zwei Stunden Wartezeit in Ausicht
gestellt, doch schon nach einer halben Stunde erschienen dann drei Männer
auf der Brücke und riefen uns zu, es gehe gleich los.
Tatsächlich hob sich nach dem nächsten Zug die Hebebrücke.
Allerdings streikte die gleich dahinter liegende Radweg-Brücke erstmal,
was uns eine weitere Dreiviertelstunde Wartezeit kostete. Schließlich
machten wir an einem Anleger im nördlichen Teil des Biesbosch neben
einer Armada von Motorbooten (mit lauten Besatzungen, wie sich später
herausstellte) fest und beschlossen den Abend am Grill.
Der Sonnabend sollte unser letzter Segeltag werden, allerdings fuhren
wir wegen des schwachen Windes fast nur unter Motor durch einige der malerischen
Arme des südlichen Biesbosch. An der engsten Stelle hatten wir etwa
70 Zentimeter Tiefe, fünf Meter Breite und vielleicht einen halben
Meter Platz zwischen unserem Mast und den Baumkronen. Über Mittag
lagen wir vor Anker und badeten. Leider ist das Gebiet am Wochenende sehr
stark bevölkert, immer mehr dieser kleinen Mietmotorboote und sogar
zwei riesige Ausflugsboote fuhren an uns vorbei. Wegen der Unruhe fuhren
wir weiter und kamen am Nachmittag an unserem Zielhafen Drimmelen an, an
dem Ina und Dieter Sokoll die Kore vor fünf Wochen eingesetzt hatten.
Auto und Trailer standen noch unversehrt am Platz, allerdings weit weg
von unserem Liegeplatz: Drimmelen hat ein riesiges Hafenbecken, das von
vier verschiedenen Vereinen bewirtschaftet wird. Obwohl wir am Sonntag
kranen wollten, konnten wir in der Werft für 11 Uhr einen Termin vereinbaren.
Mastlegen und Kranen klappten reibunslos.
Als wir am 28. Juli wieder am Steinhuder Meer waren, sahen wir auch
hier wieder so gefrustete Gesichter wie bei der Ankunft in Herkingen. Anscheinend
war hier tagelang Land unter gewesen, der Sommer praktisch ausgefallen.
Es war wohl eine richtige Glücksreise für uns.
Zeeland: Das Revier
Nach einer verheerenden Sturmflut 1953 beschloss das niederländische
Parlament, das Delta von Maas, Schelde und Rhein mit einem gigantischen
Projekt vor weiteren Katastrophen zu schützen. Dazu sollte die Mehrzahl
der Seitenarme mit Dämmen vom Meer abgetrennt und zu Binnenseen werden.
Die Westerschelde sollte als Zufahrt nach Antwerpen offen bleiben. Die
Oosterschelde sollte ursprünglich zu einem Süßwassersee
werden, doch nach Protesten von Naturschützern wurde dieser Plan geändert.
Es entstand ein riesiges Sperrwerk, das nur bei der Gefahr von Sturmfluten
geschlossen wird. So blieben die Salzwasservegetation und der Gezeiteneinfluss
erhalten.
Wassersportler finden in Zeeland eine hervorragende Infrastruktur vor.
Viele Häfen bieten Liegeplätze, selten in überdimensionierten
Marinas. Vor allem im Biesbosch und im Verse Meer sind auch Anlieger in
der freien Natur eingerichtet, die aber im übrigen durch eine Vielzahl
von ausgewiesenen Naturschutzgebieten begrenzt werden. Die Fahrwasser sind
gut betonnt, durch den durchweg sandigen oder schlickigen Grund ist eine
Grundberührung aber nicht gefährlich. Literatur: Manfred Fenzl,
Zeeland mit dem Delta von Rhein, Maas und Schelde; Jan Werner, Törnführer
Holland 1: Zeeland und die südlichen Provinzen. Benötigte Karten:
Sätze 1803, 1805 und 1807 des Hydrografischen Dienstes der Marine
sowie Karte N des ANWB für Dordrecht und den Biesbosch.
sok
Die Aussicht ist immer verlockend: zwei Wochen segeln im Mittelmeer,
die Seele baumeln lassen, das angenehme Wetter genießen und vieles
mehr. Das aber waren nicht alle Gründe für unseren Törn,
denn einige im Club wissen es sicher, Ingrid und Jürgen Rinne und
ich wollen im November im Rahmen der ARC Regatta über den Atlantik.
Ein solches Vorhaben bedingt gründliche Vorbereitung, um nicht Ärger
oder gar Schlimmeres zu erleben. Daher war außer Muße noch
testen angesagt, um auf einem langen Törn zu checken, ob noch Dinge
zu Tage treten, die bei einem solchen Vorhaben kritisch werden könnten.
Außerdem musste die „Antares“ aus der Türkei in Richtung
Spanien gebracht werden. Von dort aus werden Ingrid und Jürgen nach
Las Palmas segeln, wo Ende November der Start erfolgen wird. Ich stieg
in Kreta zu, wir planten Sizilien zu erreichen, also gab es nur eine Maxime:
Go west!
Nach ruhigem Flug und Landung in Heraklion fuhren wir gemeinsam nach
Nikolaos, wo die „Antares“ in dem kleinen Hafen des lebhaften
Ortes lag. Am ersten Tag machten wir einen ersten Gewöhnungstörn
in eine etwa zehn Seemeilen entfernte Bucht, um dann am nächsten morgen
energisch Weg nach West zu versuchen. Leider erwartete uns Westnordwest
mit strammen fünf, teilweise sechs Windstärken, so dass wir hoch
am Wind und ungemütlich auf der Backe einen 70 Seemeilen langen Nordanlieger
nach Santorin fuhren. Am nächsten Tag orgelte es gar mit sechs bis
sieben haargenau aus West, also war Hafentag angesagt.
Der kommenden Tag sollte rechtdrehende und abnehmende Winde bringen,
jedoch erlebten wir Nordnordwest zunächst mit fünf, später
sechs und kurzzeitig sieben Beaufort. Keine guten Aussichten für den
Weg nach Westen; wir bolzten bei grober See auf der Backe liegend gegenan.
Das mediterrane Segeln hatte ich mir etwas anders vorgestellt. Zum Abend
hin ließ der Wind nach; wir fuhren die Nacht teilweise unter Maschine
durch und erreichten am Abend des Folgetages eine kleine Bucht am mittleren
„Finger“ des Pelepones. Nach einer erholsamen, ruhigen Nacht erwartete
uns Westwind, also erneut aufkreuzen. Wir schaffen es bis nach Koroni.
Anlegen am Kai war wegen zu geringer Wassertiefe nicht möglich. Wir
ankerten und pullten mit dem Beiboot zur Pier. Abends genossen wir die
hervorragende Gastronomie dieses malerischen Ortes und waren nach üppigem
Mahl und reichlich griechischem Wein gespannt, wie die Schlauchbootrückfahrt
zur „Antares“ wohl zu meistern sei. Doch trotz glibberiger Kaimauer kamen
wir alle heil ins Boot und sicher auf die Yacht.
Allmählich machte uns der Wechsel von Flauten und strammen Westwinden
jedoch zu schaffen, denn die geschaffte Distanz in die gewünschte
Richtung war bislang dürftig.
Taktisch sinnvoll erschien uns unter diesen Umständen, Weg nach
Nord zu machen und auf rechtdrehende Winde zu hoffen. So erreichten wir
dann drei Tage später - zum Teil kreuzend, zum Teil unter Maschine
- die Insel Zakynthos, bekannt durch ein großes Laichgebiet von Wasserschildkröten.
Von dort aus wollten wir den großen Sprung (knapp 200 Seemeilen)
Richtung Sizilien in Angriff nehmen.
Nach Wassernehmen und Dieselbunkern legten wir morgens gegen 10 Uhr
ab und - welch ein Wunder, keine Kreuz, Raumwind Stärke 3, na bitte.
Aber schon eine gute Stunde später drehte der Wind, nahm auf fünf
zu und kam, wie sollte es auch anders sein, direkt aus West. Frust und
erneutes Kreuzen waren angesagt, die See sehr grob; wieder ein ungemütliches
Gebolze. Am Abend wendeten wir an einem uns taktisch klug erscheinenden
Punkt. Der Wind schlief zwar bald ein, als er aber am frühen Morgen
erneut einsetzte, wollten wir es kaum glauben - wir konnten
mit halbem und moderatem Wind direkt nach Sizilien segeln. Den Wendepunkt
am Vorabend hatten wir optimal erwischt. Die Windrichtung änderte
sich nicht mehr, und so genossen wir die angenehmen Seiten des Segelns
im Mittelmeer.
Zum Abend hin begann zwar die übliche Flaute, aber mit Maschinenhilfe
erreichten wir gegen 2 Uhr morgens Catania. Nach gut 50 Stunden nonstop
segeln genossen wir nach gründlichem Ausschlafen die Duschen des Clubs.
Catania hat zwei Gesichter. Einen unschönen, sehr heruntergekommenen
Teil, für den der Ausdruck ärmlich noch geschmeichelt scheint.
Nur wenige Straßenzüge weiter dann der totale Kontrast, ansprechende,
auch sehr luxuriöse Geschäfte in der Einkaufsmeile. Hier sieht
es aus wie in allen größeren Städten der Welt.
Da mein Rückflug erst am übernächsten Tag ging, unternahmen
wir noch einen Ausflug zum Ätna. Der fraglos imposante Eindruck litt
unter dem schlechten Wetter. Wir hatten den einzigen Regentag erwischt,
die Sicht war zeitweise unter 100 Meter, und ein eisiger Wind bei allenfalls
10 Grad schmälerte die Freude doch erheblich.
Wie ist der Atlantik-Test nun ausgefallen? Ohne Frage gut; die „Antares“
verfügt mittlerweile unter anderem über Radar, Windgenerator,
Selbststeueranlage und Doppelvorstag.
Das Radar beruhigt ungemein und trägt sehr zum entspannten Segeln
bei. Durch den Windgenerator gehören Energieengpässe der Vergangenheit
an. Die Selbststeueranlage ist eine geniale Konstruktion, die ab etwa drei
Beaufort besser Kurs hält, als es uns selbst möglich war. Wer
sich da jetzt klammheimlich über unsere Steuerfähigkeiten mokiert,
darf gerne einmal selbst testen. Das Doppelvorstag erspart den Vorsegelwechsel;
ist die große Genua zu viel, wird diese ein- und die kleinere ausgerollt.
So ist immer ein optimales, gut stehendes Vorsegel gesetzt. Also beste
Voraussetzungen für den großen Törn!
Für den Atlantik wünschen wir uns allerdings, dass der Passat
auch tatsächlich zuverlässig weht und wir nicht permanent kreuzen
müssen!
Das ARC - die größte Flottenfahrt über den großen
Teich
225 Yachten aus 23 Ländern werden bei der Atlantic Rally for Cruisers
(ARC) am 24. November in Las Palmas auf Gran Canaria ihre Ozeanüberquerung
starten. Ziel ist Rodney Bay in St Lucia. Das ARC ist damit eines der größten
Transocean-Ereignisse. Noch nie hatte der veranstaltende World Cruising
Club in Cowes das Teilnehmerlimit so früh erreicht wie in diesem Jahr.
Das ARC wird seit 17 Jahren gesegelt. Es ist offen für Yachten
und Katamarane über 27 Fuß. Die Veranstalter bieten verschiedene
Wertungskategorien an. Die Rekordzeit für die Strecke erzielte im
vorigen Jahr der 22-jährige Ross Daniel mit der „Spirit of Diana“,
der für die etwa 2700 Meilen knapp 12 Tage benötigte.
Die umfangreiche Betreuung und das Segeln in einer Flotte macht das
Rennen, in dem nicht nur Geschwindigkeit zählt, auch für unerfahrene
Hochsee-Segler attraktiv.
Die moderne Technik versetzt auch die Daheimgebliebenen in die Lage,
das Rennen zu verfolgen. Die täglichen Positionsmeldungen der Crews
sind auf der Internetseite der Veranstaltung nachzuvollziehen. Auf www.worldcruising.com
lässt sich über über den Pfad „Positions/ARC2002“ der Kurs
der Yachten nachvollziehen. Die Seite www.worldcruising.net ist eine Alternative.
Eine Schwierigkeit: Es gibt zwei Yachten des Namens „Antares“. Hans Wetzig
rät: „Die andere ,Antares‘ ist mit 16 Metern erheblich größer
und wird immer vor uns liegen.“
Es ist auch möglich, der Crew eine E-Mail zu senden. Antares ist
unter DJ5347@kielradio.de zu erreichen. „Wenn wir Zeit haben, antworten
wir auch“, sagt Wetzig.
sok
Am 4. August 2002 brachen Gert Diederich und Dieter Nordmeyer mit Boot
Krümel II nach Malchin in Mecklenburg-Vorpommern auf. Malchin liegt
am Anfang der befahrbaren Peene. Es sollte flussabwärts Richtung Anklam
(104 Kilometer) und dann über das Haff durch den östlichen Durchfluss
der Oder, die Dziwna, zur Ostsee und anschließend an der polnisch-pommerschen
Küste Richtung Danzig gehen. Das waren hochgesteckte Ziele, angeregt
durch die Beschreibung der polnischen Ostseeküste und deren Häfen
in der „Yacht“.
Die Kranung in Malchin am Sonntagmittag nach dem Sommerfest im SCStM
verlief absolut problemlos - Drei-Tonnen-Kran ähnlicher Bauart wie
in Steinhude für 10,20 Euro. Aufriggen, Wasser und Diesel fassen,
Fahrzeuge abstellen und schon geht die Reise los. Nach einigen Kilometern
erste Rast beim Moorbauern zum Kaffeetrinken, einem rustikalen berühmten
Lokal ähnlich der Alten Moorhütte. Nach wenigen Kilometern erreichen
wir den Kumerower See. Mit warmem Wind aus Südost und sauberem Wasser
empfängt uns dieser große (etwa 45 Quadratkilometer) idyllische
See von seiner besten Seite. Nach einer Kreuz von etwa 2,5 Stunden machen
wir in Aalbude, dem südöstlichen Ausgang fest. Es ist einer der
neuen Wasserwanderrastplätze mit allen Schikanen. Aal in Aspik ist
das adäquate Abendessen.
Der schönste Teil der Peene liegt zwischen Kumerower See und Demmin.
Zahlreiche See- und Teichrosenfelder in ehemaligen Torfstichen begleiten
unseren Weg. Erlenbrüche und Schilf säumen das Ufer. Reiher und
Eisvögel an jeder Ecke. Diese fliegenden türkisfarbenen Edelsteine
vor dunklem Erlendickicht und über dunklem Wasser sind schon fast
ein wenig romantisch und kitschig. Zwei, drei Brücken und einige idyllische
Orte liegen hinter uns, als wir gegen Abend bei strömendem Regen Anklam
erreichen. Am nächsten Morgen erreichen wir den Peenestrom, nicht
ohne vorher zwei Seeadler zu beobachten, dann liegt das Haff vor uns.
Auf jeden Fall in Ueckermünde ausklarieren, wurde uns ans Herz
gelegt, ein müder grüner Zettel und eine Crewliste in dreifacher
Ansfertigung lassen den Amtsschimmel wiehern. So etwas habe ich im übrigen
Europa seit 30 Jahren nicht mehr erlebt. An Tonne 17, Liegeplatz des polnischen
Kutters des Grenzschutzes, werden wir durchgewunken zum Einklarieren nach
Ziegenort. Bei schönsten Wetter kreuzen wir über das Haff Richtung
Wollin. Der östliche Arm der Oder ist unser Ziel. Wollin grüßt
mit einer imposanten gotischen Backsteinkirche und einem Postamt aus Kaiser
Wilhelms Zeiten. Alle preußischen Hoheitszeichen sind sorgfältig
entfernt, ansonsten herrscht die übliche Plattenbau-Tristesse.
Ab jetzt beginnt unsere „Reise nach Pommern“ mit dem gleichnamigen
Buch von Graf von Krockow im Gepäck, einer sehr versöhnlich gehaltenen
Beschreibung der historischen und landschaftlichen Verhältnisse im
Pommern der Vor- und Nachkriegszeit (Stichwort „Ostelbische Junker“). Vertieft
werden noch Blickwinkel und Gedanken durch die Lektüre des „Krebsgangs“
von Günther Grass. Immer wieder Vergleiche zwischen früher und
heute bei der Besichtigung von Dörfern und Städten.
Die Dziwma, also der östliche Oderarm, ist eine in unseren Augen
fast unberührte Flusslandschaft mit breiten Schilfgürteln, hinter
den Weiden versteckten Dörfern, weiten Weizenschlägen auf den
Geestrücken in der Ferne. Die nächsten 15 Meilen begegnet uns
kein Wasserfahrzeug, nur hier und da ein Angelboot im Schilf.
Kamien Pomorski ist der nächste Liegeplatz. Wieder eine mittelalterliche
Marienkirche, prächtiges Rathaus und gotisches Backstein-Stadttor.
lm einzigen übriggebliebenen Fachwerkhaus werden wir im Restaurant
mit pommerschen und polnischen Gerichten bewirtet. Noch zehn bis zwölf
Meilen, und wir machen in Dziwnow fest, dem Mündungshafen des östlichen
Oderarms an der Ostsee. Eine Kutterflotte und jede Menge Sommerurlauber
begrüßen uns. Im Hafen wird Fisch verkauft.
Wir hören den Wetterbericht, warten die Brückenöffnung
ab, melden uns beim Grenzschutz ab, und schon liegt die weite Ostsee vor
uns. Fast 40 Meilen sind es bis Kolberg. Einer pinniert, der andere hält
ein Schläfchen oder brüht einen Tee auf, so vergeht die Zeit.
Eine endlose Sandstrandküste mit Dünen, teilweise bewaldet, begleitet
uns. Gegen Nachmittag schläft der Nordostwind ein. Motoren ist angesagt.
Gegen 17 Uhr laufen wir in Kolberg ein.
Reges Leben auf den Molen, polnische Sommerurlauber. Im hinteren Hafenbecken
finden wir ein Plätzchen. Ein Rundgang durch die Stadt zeigt uns fast
wie in allen pommerschen Städten eine riesige Marienkirche in Backsteingotik
(wie in den meisten Ostsee-Hansestädten), ein prächtiges Rathaus
von Schinkel in Neo-Gotik und Plattenbauten. Historische Bezüge sind
durchaus vorhanden, aber von Uwe Nettelbeck und Gneisenau, den Helden der
Verteidigung Kolbergs gegen Napoleon, keine Spur. Vielleicht ein zu belastetes
Thema. Abends findet eine rasante Freiland-Disko in alten Festungsanlagen
statt. Drei- bis vierhundert fröhliche junge Leute toben durch die
Kasematten. Leider nichts mehr für uns!
Am nächsten Morgen die Debatte: Wollen wir weiter nach Osten?
Die Wetterlage ist unsicher. Wenn sich eine Westlage aufbaut, sitzen wir
in der Falle, der Urlaub wird dann zu kurz. Trotzdem lockt Danzig. Wir
entscheiden uns für eine Busfahrt (sechs Stunden), um die berühmte
ehemalige Hansestadt zu besuchen. Anderthalb Tage mit vielen Besichtigungen,
Gesprächen mit ehemaligen Danzigern über den Wechsel während
der letzen 50 Jahre lassen uns pflastermüde werden. Wir fahren mit
dem Zug zurück nach Kolberg. Am Abend läuft eine Etap mit entnervter
Mannschaft bei totalem Nebel ein. Sicht dreißig Meter. Der Wetterumschwung
ist da. Das Nebelhorn von der Mole begleitet unseren unruhigen Schlaf.
Was wird am nächsten Tag?
Gegen elf Uhr geht der Nebel zurück, wir starten Richtung Westen.
Der Nordwest mit drei Beaufort erlaubt einen Anlieger parallel zur Küste.
Nach etwa zwei Stunden nimmt der Wind erheblich zu, um nach einer weiteren
Stunde auf sechs bis sieben aufzubrisen. Die See ist entsprechend 1,5 Meter
hoch, teilweise brechend. Kein angenehmer Kurs hoch anliegend. Schwimmwesten
und einpicken sind angesagt. Mit kleiner Fock und erstem Reff machen wir
noch 5 bis 5,5 Knoten. Das zweite Reff lässt sich wegen starker Bootsbewegung
nicht einlegen, wir trauen uns nicht aufs Vorschiff. Der Traveller wird
ganz nach Lee ausgefahren, so geht es. Im Cockpit bleibt es verhältnismäßig
trocken. die kleinen Boote schwimmen wie Korken auf dem Wasser. Die Seen
laufen darunter weg. Nach einigen Stunden kommen die Molenköpfe von
Dziwnow in Sicht. Sie sind wegen der Versandung weit ins Meer gebaut. Auf
der Barre steht eine leckere, brechende See. Maschine an, Vollgas und mit
raumem Kurs mit 7 bis 7,5 Knoten hinein. Drei, vier schäumende Seen
und wir sind drinnen. Glück gehabt! Anschließend Wunden lecken.
Etwas Brandy und eine heiße Suppe helfen dabei.
Der nächste Tag bringt uns einen gemütlichen Kurs Dziwna
aufwärts mit feudalem Kaffeetrinken in Karnien. Wir ankern am Abend
in totaler Einsamkeit vor einer schilfumwachsenen kleinen Insel in der
Dziwna. Weiter geht es an Wollin vorbei. Mast legen, die Brücke öffnet
nicht - Maria Himmelfahrt. Über das Haff nach Neuwarp zum Einklarieren.
Im Restaurant gibt es Flickensuppe, eine pommersch-polnische Spezialität,
irgendetwas mit Streifen aus Schafsdärmen!
In Usedom holt uns beim Biertischgespräch mit einem Kampfmittelräumer
- früher Fischer - und einem ehemaligen Funktionär der DDR -
früher Landrat oder so - die Vergangenheit wieder ein. Thema: Was
wäre wenn, und was hätte besser sein können. Darüber
kann man Nächte diskutieren. Fazit: Es ist schon ganz gut so, wie
es ist! Über Anklam erreichen wir wieder die Peene und bummeln gemütlich
flussaufwärts bis Malchin. Ein interessanter Urlaub geht zu Ende,
der Einsichten brachte in historische und kulturelle Zusammenhänge
mit Naturerlebnissen und ausreichendem Segelvergnügen.
26./27. Oktober Stegabbau
26. Oktober - 3. November hanseboot Hamburg
17. November Grünkohlessen
8. Dezember Nikolausfeier
18. bis 26. Januar boot Düsseldorf
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